5 Tage Fasten und Fastenbrechen

Langsam laufe ich durch die Straße. An mir rasen Autos vorbei, Menschen hetzen von A nach B, die Uhr immer im Blick. Je weiter die Stadt hinter mir verschwindet umso grüner werden die Bäume und umso lauter wird meine innere Stimme. Heute ist der 5. Tag des Fastens, die letzten Tage habe ich nur Wasser getrunken. Ich liebe es so langsam zu gehen, alles genau wahrzunehmen und vor allem zu erkenne, dass ich diese Geschwindigkeit in meinem Leben nicht möchte. Dieses mal war das Fasten gedanklich eine wahre Herausforderung für mich, doch ist es genial um tiefe Einsichten zu erlangen, dem Körper eine Pause zu gönnen und von den täglichen Gewohnheiten Abstand zu nehmen. Auf dieser Fasten Reise sind mir ein paar Dinge in mein Bewusstsein gekommen, welche ich mit dir teilen möchte und in denen du dich vielleicht auch erkennen kannst.

Zuallererst: Meine Gedanken sind nicht frei von tierischen Produkten, vor allem nicht von Bufala Mozzarella und Pizza mit Käse und Tunfisch. Ah nicht zu vergessen: Der Döner mit Pommes, welcher mir fast täglich durch den Kopf schwirrte. Vielleicht liegt das auch an den unzähligen Essbuden, die hier vor unserer Haustür in Berlin sich angesiedelt haben. Nein, dieses Umfeld macht es auf jeden Fall nicht leichter.

Dieses mal war es das 3. mal das ich gefastet habe. Auch die letzten Male habe ich beim Fasten einen Drang wahrgenommen Nahrung aufzunehmen, die sehr deftig und salzhaltig ist. Auf Süßes verspüre ich kaum Appetit.

Eine Frage der Wertschätzung: Beim Essen ist es so wichtig, den Fokus auf die Wertschätzung der Lebensmittel zu legen und gewisse Genussmittel wie Kaffee nur an bestimmten Tagen der Woche zu genießen. Schätzen wir wirklich den Kaffee, welchen wir in unserem To Go Becher während dem Gehen die Kehle runterlaufen lassen ?

Es ist mir wichtig, auch mal in den Hunger zu gehen, denn dann schmeckt das Essen einfach viel besser. Ich möchte die kleinen Dinge in meinem Leben wertschätzen und zelebrieren und mein Leben dafür lieben.

Gestern Abend haben wir das Fasten gebrochen. Wir haben uns entschieden, einen Tomaten Avocado Salat mit Zwiebeln und Blumenkohl zusammen mit Tempeh zuzubereiten. Es fühlte sich großartig an, die Lebensmittel zu verarbeiten. Ich habe das Kochen so genossen. Marten hat dann noch etwas Koriander aufgeschnitten und in eine Schüssel gepackt. Das herausforderndste am Fasten ist wohl das Fastenbrechen. Wieso? Du bist hungrig, wartest, zählst die Stunden bis zum Essen und dann? Ein Teller voller bunter, schmackhafter Geschmacksexplosionen steht vor dir. Am liebsten würdest du den Teller inhalieren.

Meine ersten Bissen waren sehr intensiv, langsam und genussvoll, dann überkam mich kurz der Hunger und ich wollte das Essen einfach nur essen – haha. Schnell habe ich aber bemerkt wie viel empfindlicher meine Geschmacksnerven sind und mir manche Lebensmittel vielleicht noch gar nicht gut tun, obwohl ich auf sie Appetit habe. Meine Zunge fühlte sich etwas geschwollen an und mein ganzer Mund war von den ganzen Geschmäckern etwas überfordert. Ich gönnte mir eine Pause und nahm das Essen nochmals in seiner Fülle wahr. Manchmal mag ich es, mein Essen mit den Händen zu essen – heute morgen wurde mir klar weshalb. Auch gestern entschied ich mich mit meinen Fingern das Essen aufzunehmen. Meine Hand nahm den Koriander und pickte ihn vom Teller, sie schob die Zwiebeln des Avocado Tomaten Salates beiseite. In diesem Moment habe ich die Handlung gar nicht hinterfragt, doch fühlte es sich einfach richtig an. Na klar, meine Feinfühligkeit ist auch in meinen Händen! Wenn ich voll präsent und bei mir selbst bin, meine Sinne gestärkt, dann sagen mir meine Hände ganz genau was für mich richtig ist. Gefastet ist diese Kraft noch spürbarer. Vielleicht kann ich deshalb so intuitiv mit Lebensmitteln umgehen.

Nach meinem Chai Tee, den ich gerade hier auf der Bank im Grünen genossen habe fühle ich mich leicht berauscht. Witzig, wie gewissen Substanzen in unserer Gesellschaft als Drogen eingestuft werden. Nach dem Fasten wird wird mir wieder sehr klar, wie jede einzelne Substanz auf uns wirkt und unseren Bewusstseinszustand verändert. Wir nehmen es im Alltag nur kaum wahr, doch eigentlich sind wir die ganze Zeit abhängig und high.

Die wohl größte Einsicht für mich ist zu erkennen, dass ich für all diese Einsichten lebe und diese meine Weiterentwicklung ermöglichen. Ist der Zugang zu meiner inneren Stimme nicht greifbar verliere ich oft den Boden unter den Füßen, da ich mich nicht mehr selbstbestimmt wahrnehme. Vor allem die Zeit in Berlin zeigt mir eine ganz andere schnelllebige Welt auf, zu der ich in den letzten Jahren eher Abstand gehalten, sie schon fast abgelehnt habe. Doch darum geht es wohl nicht. Es geht nicht darum eine Trennung der Welten zu schaffen, ein Ablehnen. Ich bin die Verbindung, da ich die Einsicht in mir trage und diese weiter geben möchte. Diese Verbindung entsteht durch Akzeptanz und Hingabe, durch Liebe und Empathie.

Hast du schon mal gefastet ? Welche Erfahrungen hast du dabei gesammelt? Was hält dich noch davon ab Fasten für dich auszuprobieren ? Ich freue mich auf deinen Kommentar zu diesem Artikel.

8 Comments

  1. Vielen Dank, liebe Lorena für deine Ehrlichkeit! Nachdem ich diese Artikel gelesen habe, fühle ich mich stärker und traue mich dem Fasten ein Chance zu geben.
    P.S. inspirierend wie immer

    • vielen lieben dank Tanja! es freut mich sehr deinen Kommentar zu lesen. Gerade die Tage nach dem Fasten sind einfach wie eine Wiedergeburt und es ist so heilsam für den Körper / Geist.

  2. Viele Dank, dass du deine Erfahrungen teilst. Ich faste meistens einen Tag in der Woche und geniesse es dies als ein Ritual zu haben. Um mehr bei mir zu sein und um meinem Körper zu erlauben die verschiedenen Eindrücke zu verarbeiten.
    Ich kann eine Reisdiät sehr empfehlen, hierbei wird für 4 Tage nur gut gekochter Reis mit etwas Salz gegessen. Dabei kann sich der Magen- Darmtrakt entspannen. Beim anschliessenden Aufbauen der Kost nur 1 neues Lebensmittel pro 15 Minuten oder Mahlzeit dazu nehmen. Wenn du auf ein Lebensmittel innert 15 Minuten reagierst, Kannst du davon ausgehen, dass dies eine Nahrungsmittelunverträglichkeit ist.

    • Danke liebe Evelyn für deinen Kommentar und dass du auch deine Erfahrungen teilst. Ich denke das wöchentliche Fasten kann ein wunderschönes Ritual sein. Gerade auch um sich an all die Einsichten des Fastens zu erinnern, etwas Abstand zu Emotionen und Gewohnheiten zu bekommen und am nächsten Tag die Fülle in all ihrer Pracht zu genießen.
      Die Reisdiät hört sich interessant an, durch die Sensibilität ist es auf auf jeden Fall leichter selbst rauszufinden, was uns gut tut.

  3. Vanessa

    Habs sehr genossen deine Eindrücke und Erfahrungen zu lesen! In letzter Zeit kommt mir das Thema Fasten immer häufiger unter und ich lese viel dazu. Taste mich auch schon länger langsam ran und faste wann immer möglich intervallweise 18 Stunden. Würde jedenfalls auch mal gerne die Erfahrung von mehreren Tagen nur mit Wasser oder Tee machen. Danke für deinen Imput! Alles Liebe

  4. Das klingt nach einer sehr intensiven Erfahrung, die ich selbst gerne einmal erleben möchte. Mich hält vom Fasten ab, dass ich sehr gerne koche, unglaublich gerne esse und eigentlich immer Hunger habe 🙈.
    Ich überlege, diesen Sommer mal Gemüsefasten auszuprobieren.

    • Danke Thomas für dein Feedback, jaaa das mit dem Kochen und Essen kenne ich natürlich nur zu gut. Das Schöne daran ist, dass die Kreativität und der Genuss nochmal richtig angeregt werden.

  5. Richtig toll geschrieben! dient mir als Anreiz es auch endlich mal anzupacken & das Fasten durchzuziehen! 🙂

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